Freiheit kann verwirrend sein. Einerseits sind fehlende Freiheiten sehr schmerzhafte Erfahrungen und gehören zu den politisch drängendsten Themen. Andererseits fühlen wir uns von großer Freiheit häufig überfordert, leiden geradezu an ihr. Um diese fast paradoxen Zusammenhänge besser zu sortieren, brauchen wir die Philosophie. Mit ihr können wir verschiedene Freiheitskonzepte auseinanderhalten und so unsere Erfahrungsqualitäten und Gesellschaften besser verstehen.
Freiheit braucht Mündigkeit
Freiheit geht mit Verantwortung einher und diese kann, wie Jean-Paul Sartre bemerkte, regelrechte Angst auslösen. Daher bedürfen wir verschiedener Voraussetzungen, um Freiheit als wertvoll zu empfinden, uns auf ihrer Grundlage zu entfalten und als Autor unserer selbst zu begreifen. Zum Beispiel müssen wir Optionen nicht nur annehmen, sondern auch aufgeben können. Und wir müssen in der Lage sein, lebenspraktisch Verantwortung zu übernehmen. Denn ohne Mündigkeit und ethische Maßstäbe wird Freiheit leer. Zwischen Freiheit und Autonomie besteht also ein Wechselspiel. Nur als freie Menschen können wir eigenverantwortlich und selbstständig sein. Umgekehrt ist unsere Freiheit nur bereichernd, wenn wir Autonomie entwickeln und damit fähig sind, von ihr Gebrauch zu machen.
Freiheit in Markt und Gesellschaft
Freiheit ist keine Privatsache. Unsere individuelle Freiheit basiert darauf, dass wir uns gemeinsam an Regeln binden: „Ohne Schutz und ohne Einschränkungen durch das Gesetz muss die Freiheit zu einer Tyrannei der Starken über die Schwachen führen“, schrieb daher Karl R. Popper. Liberalismus heißt nicht Anarchismus, sondern einen Schutz von Freiheit durch Staat und Gesellschaft. Doch welche Freiheit ist hier gemeint? Dass uns keine Hindernisse im Weg stehen? Dass wir Herr unserer eigenen Handlungen sind? Dass wir nicht auf die Großzügigkeit anderer Menschen angewiesen sind?
In dieser Debatte stehe ich neo-republikanischen Ansätzen wie denjenigen Philip Petits nahe. Insbesondere ungleiche Machtverhältnisse stehen unserer Freiheit entgegen. Das hat Konsequenzen auch für die Einrichtung von Marktwirtschaft. Hier stehe ich für einen starken Ordoliberalismus. Der Markt braucht Regeln, um sein eigenes Funktionieren zu gewährleisten und um die Freiheit benachteiligter Akteure zu schützen. Aber nicht nur der Staat ist gefragt, auch Unternehmen müssen Verantwortung übernehmen, statt passiv auf vermeintliche Sachzwänge zu reagieren. Das gilt auch für die neuen Herausforderungen des Digitalen. Eine selbstbewusste Corporate Digital Responsibility ist entscheidend, um eine freiheitliche Gesellschaft zu sichern.
Mit Freiheit spielerisch umgehen
Wir kennen das von Spielen: Regeln können Freiheit nicht nur einschränken, sondern sie zuallererst auch ermöglichen. Damit dies gelingt, brauchen wir den Mut, uns auf Maßstäbe zu verständigen, die Selbstentfaltung, Autonomie und ein freies Leben besser ermöglichen als heute. Und zwar, ohne durch die Hintertür gleichzeitig neue Imperative auf den Einzelnen zu richten. Wenn unsere Freiheit auf diese Weise tatsächlich wächst und auf sicherem Boden steht, werden wir auch mit unseren Möglichkeiten spielerischer und bewusster umgehen können.