Sinn und Identiät

Fragen nach dem Sinn

Die meisten Menschen waren schon einmal in einer Sinnkrise. Trotzdem wird die Frage nach dem Sinn des Lebens in der gegenwärtigen Philosophie kaum behandelt. Vielleicht steht dahinter die Befürchtung, sich auf schwammiges, unseriöses Terrain zu begeben. Dabei kann es gerade eine Stärke der Philosophie sein, unklare Fragen zu schärfen und vernünftige Antwortangebote zu entwickeln.

Was ist wirklich wichtig?

‚Sinn‘ verstehe ich als ein mehrdimensionales Konzept: unser Leben kann in verschiedenen Hinsichten sinnvoll sein. Eine der Dimensionen ist handlungspraktisch. Sie entfaltet sich entlang der Frage, was so wertvoll und wichtig ist, dass es lohnt, unser Leben daran auszurichten. Diese Frage ist zwar verwandt, aber nicht deckungsgleich mit den Fragen nach Glück und nach Ethik.

Im Alltag spielt diese Sinndimension eine wichtige Rolle. So wird etwa der Generation Y nachgesagt, besonders intensiv nach Sinn zu suchen, auch im Beruf. Das Gehalt allein reicht ihnen als Ansporn nicht mehr. Doch eine sinnvolle Tätigkeit zu finden, ist keine Selbstverständlichkeit. Nach einem vieldiskutierten Artikel von David Graeber über sinnlose „Bullshit-Jobs“ wurden Untersuchungen in Großbritannien und den Niederlanden durchgeführt. In beiden Ländern gaben etwa 40 Prozent der befragten Arbeitnehmer/innen an, ihren Job für völlig sinnlos zu halten. Auch deshalb wird klar, warum es für Unternehmen heute so wichtig ist, glaubwürdig ihre Identity und Purposes zu reflektieren.

Wer bin ich?

Hinter der Sinnfrage steht auch die Suche nach Identität. Dies ist eine weitere Dimension des Lebenssinns. Wer wir sind, entscheidet sich auch durch Rollen, die wir im sozialen Umfeld einnehmen. Hier orientieren wir uns an Konzepten, mit denen wir unser Leben verständlich machen können – und entwickeln diese praktisch weiter. Und auch Freundschaften und Liebesbeziehungen sind entscheidend für eine gelingende Herausbildung von Identität. In diesen „Nahbeziehungen“ werden wir nicht auf einzelne Funktionen reduziert, sondern als ein Jemand in unserer Existenz bejaht.

Das "Ich im Wir"

Erst in der zwischenmenschlichen Einbettung können wir uns also selbstverwirklichen. Glück und Sinn gehen dann miteinander Hand in Hand. Und unsere Individualität ist unmittelbar verzahnt mit unserer Sozialität. Die Sinnfrage ist damit nicht allein privater Natur, sondern auch eine gesellschaftliche Frage, über die wir uns gemeinsam verständigen können. Heute können wir den Weg für eine Zukunft zu bereiten, in der Menschen nicht nur persönlich glücklich sind und gerecht zusammenleben, sondern auch ihre sozialen Rollen als sinnvoll erfahren.

Gespräche und Aufsätze

  • Christian Uhle (2019): ‚Unternehmensstrategie: Reine Gewinnmaximierung, ein Auslaufmodell‘, Gastbeitrag in: Deutschlandfunk Kultur, Politisches Feuilleton, 13.09.2019. (LINK)
  • ‚Der Sinn des Lebens?‘, Vortrag auf III. Tagung für Praktische Philosophie, Salzburg, 02.10.2015.
  • ‚Identität: Erfinde deine Geschichte‘, TV-Interview in Streetphilosophy (Arte), Erstausstrahlung: 09.12.2017. (LINK)
  • ‚Besitz: Alles Meins!‘, TV-Interview in Streetphilosophy (Arte), Erstausstrahlung: 17.03.2018. (LINK)
  • ‚Streetphilosophy‘, Podiumsgespräch auf Frankfurter Buchmesse, Frankfurt, 15.10.2017. (LINK)
  • ‚Vernetzt und doch allein?‘, Kuration und Podiumsgespräch der Veranstaltungsreihe Netzdialoge! Philosophie des Digitalen, Berlin, 20.06.2019.
  • ‚Liebe im Digitalen‘, Konzept und Moderation der Veranstaltungsreihe Netzdialoge! Philosophie des Digitalen, Berlin, 21.02.2019. (LINK)
  • ‚Big Data als Vermessung des Selbsts – Transparenz oder Sinnverlust? ‘, Vortrag und Workshop auf Netzethische Herausforderungen im Kontext Schule (ausgerichtet von Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie und Friedrich-Ebert-Stiftung), Berlin, 26.02.2019.
  • ‚Bühne für Denkzeit‘, Konzept und Gesprächspartner der Philosophie-Bühne auf dem Festival Malzwiese, Berlin, 02.-03.06.2018. (LINK)
  • ‚Spiel‘, Kolumne in: leibniz – das Magazin der Leibniz-Gemeinschaft (3/2018). (LINK)
  • ‚Dialog‘, Kolumne in: leibniz – das Magazin der Leibniz-Gemeinschaft (2/2018). (LINK)